{"id":94,"date":"2012-06-06T15:18:29","date_gmt":"2012-06-06T15:18:29","guid":{"rendered":"http:\/\/jielu.de\/?p=94"},"modified":"2012-08-16T17:39:16","modified_gmt":"2012-08-16T17:39:16","slug":"nrw-schizophren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jielu.de\/?p=94","title":{"rendered":"NRW schizophren"},"content":{"rendered":"<h1><a href=\"https:\/\/jielu.de\/wp-content\/uploads\/schuh300dpi3.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-100\" title=\"schuh300dpi3\" src=\"https:\/\/jielu.de\/wp-content\/uploads\/schuh300dpi3-494x278.jpg\" alt=\"\" width=\"494\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/jielu.de\/wp-content\/uploads\/schuh300dpi3-494x278.jpg 494w, https:\/\/jielu.de\/wp-content\/uploads\/schuh300dpi3-288x162.jpg 288w, https:\/\/jielu.de\/wp-content\/uploads\/schuh300dpi3-800x450.jpg 800w, https:\/\/jielu.de\/wp-content\/uploads\/schuh300dpi3.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 494px) 100vw, 494px\" \/><\/a><\/h1>\n<h1>Ein Res\u00fcmee \u00fcber den NRW-Wettbewerb bei den Oberhausener Kurzfilmtagen &#8211; Festival 05\/12<\/h1>\n<p>F\u00fcr zwei satte Stunden konnte man in Oberhausen von der heilen Filmwelt NRW tr\u00e4umen. F\u00fcnf Werke entf\u00fchrten in die kreativen Universen des Nachwuchses und vermittelten den Eindruck, dass man sich um eben jenen Filmstandort, in dem 1991 die landesweit erste regionale Filmf\u00f6rderungsanstalt geschaffen wurde, keine Sorgen machen m\u00fcsste. Leider dauerte der Traum nur f\u00fcr die Dauer des zweiten Programmblock eines diesmal deutlich zwiegespaltenen NRW-Wettbewerbs. Ein Umstand, der symptomatisch f\u00fcr die deutsche Filmf\u00f6rderlandschaft als Ganze und die derzeitige Debatte um den Spagat zwischen Kunst und Kommerz zu sein scheint.<\/p>\n<p>Inhaltlich perfekt aufeinander abgestimmt, kreisten die Beitr\u00e4ge eben jenes zweiten Blocks im weitesten Sinn um das Motiv der Heimat und die individuelle Erfahrung derselben. Drei von der Kunsthochschule f\u00fcr Medien K\u00f6ln produzierte Projekte beeindruckten in Puncto Handwerk und Einfallsreichtum. Von einem gleicherma\u00dfen ber\u00fchrenden wie visuell anspruchsvollen Portrait \u00fcber den verstorbenen Vater in Matthias Stolls \u201eSterben nicht vorgesehen\u201c, <strong>\u00fcber Jie Lus fast schon surrealistische Coming-of-Age Parabel \u201eEin Schuh geht barfuss\u201c, die \u00e4sthetisch an Michel Gondry in seinen besten Zeiten erinnerte bis hin zu einer lokal-kolorierten Ruhrpott-Hommage, in der sich Tarantino-Schick mit Gelsenkirchener Barock paart.<\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Programmblock unterstrich somit die Perspektive, dass k\u00fcnstlerischer Anspruch und Publikumstauglichkeit nicht per se unvereinbar sind, wie die Reaktion der Zuschauer verdeutlichte. Ein starker Kontrast zum Screening des ersten Blocks. Dieser wirkte disparat in seiner Zusammenstellung und oszillierte zwischen verkopften Experimenten und stilistisch unauff\u00e4lligem Erz\u00e4hlkino. Ein knapp zweimin\u00fctiger Clip contra Bulimie zeigte die im Wald scheue Rehe streichelnde, betroffene Titelgeberin \u201eChristina\u201c, Installationsk\u00fcnstler Daniel Burkhardt pr\u00e4sentierte eine Kompilation seines \u00fcber die Dauer von einem Jahr wiederholt selbst gefilmten Schattens und mit \u201eIch kannte mal jemanden in Kentucky\u201c (FH Dortmund) h\u00fcllte Gunar Meinhold seine Beziehungsverarbeitung zwar in pittoreske Landschaftsaufnahmen, montierte diese aber wirr aneinander. Mit \u201eGuck woanders hin\u201c von Charlotte Anne-Marie Rolfes pr\u00e4mierte die Jury zwar eine handwerklich solide, aber narrativ wie filmsprachlich konservative Arbeit.<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass dies kein Indiz f\u00fcr eine Entscheidung wider pluralistischer F\u00f6rderung zugunsten des gef\u00e4lligen Profits ist. Aber angesichts der sich in der Komposition der Programmbl\u00f6cke subtil manifestierenden, gegens\u00e4tzlichen Haltungen ist den Kuratoren um Carsten Spicher \u2013 ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt \u2013 ein Kommentar zugunsten einer weiterhin vielseitigen F\u00f6rderungsagenda und gegen eine auf \u00f6konomischen Erfolg allein konzentrierte Filmf\u00f6rderpolitik gelungen. Und gerade in einem derart gro\u00dfen und multikulturellen Filmland wie NRW scheint die Hoffnung berechtigt, dass beide Anspr\u00fcche aufgrund des k\u00fcnstlerischen Nachwuchspotentials vereinbar sind.<\/p>\n<div>MAXI BRAUN<\/div>\n<div>Quelle:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.choices.de\/nrw-schizophren\" target=\"_blank\">http:\/\/www.choices.de\/nrw-<wbr>schizophren<\/wbr><\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Res\u00fcmee \u00fcber den NRW-Wettbewerb bei den Oberhausener Kurzfilmtagen &#8211; Festival 05\/12 F\u00fcr zwei satte Stunden konnte man in Oberhausen von der heilen Filmwelt NRW tr\u00e4umen. 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